deutschen
Klavierbaus", wie er betont. Bechstein aus Berlin, Angerhöfer
aus Bayern, auch der Dresdner Johann Kuhse verstand sein Handwerk,
genauso wie Blüthner aus Leipzig. "Deutschland hat
eine große Musikkultur und Tradition", weiß Doleviczényi. "Das
erkennt man auch am Instrumentenbau."
Noch vor eineinhalb Jahren waren seine Schätze in der näheren
und ferneren Umgebung verteilt. An der Holsterhauser Straße
und auch in Kettwig. Nun stehen sie dicht gedrängt in seinem
neuen Domizil in direkter Nachbarschaft zur Folkwang Hochschule,
weil die das Tor 3 angemietet hat. Apropos Folkwang: Seit 33 Jahren
schon arbeitet Doleviczényi dort als Chorrepetitor für
Modernen Tanz. Was nicht nur eine Pianistenausbildung, sondern
auch ein hohes Maß an Improvisationstalent erfordert. Wie
zum Beweis setzt sich Doleviczényi ans Klavier. Der Flügel
klingt grandios. Der Name Steinway - ein Deutscher, der in den
USA Karriere machte - bürgt für Qualität. "Bergische
Fichte steckt da drin", erklärt der Experte. "Mal
mit engeren, mal mit weiten Jahresringen. Je nachdem, wie hart
das Holz sein muss." In Italien kennt er eine kleine Firma,
die für den Klavierbau besonders geeignete Bäume reserviert.
Den Flügel, Baujahr 1910, hat er selbst restauriert. In 350
Arbeitsstunden. "Das ist absolutes Kunsthandwerk, doch in
dieser Form in Deutschland einfach nicht mehr rentabel." Ein
komplett restauriertes Klavier müsste schon 12000 Euro bringen,
damit es sich lohnt. Der Steinway, dank der Arbeit des Meisters
in voller Schellack-Pracht, dürfte locker das Doppelte wert
sein. Doch wer will, kann das schon zahlen. So halten Reparaturen
selbst "hoffnungsloser" Fälle, das Klavierstimmen
und die Arbeit am Folkwang das Geschäft in Schwung.
Schlussakkord. Voll, aber auch sensibel klingen
die Töne. "Viele
neue Klaviere hören sich an, als spiele man die Treppe hinunter.
Doch hier ist alles harmonisch, einfach perfekt", schwärmt
er. "Soetwas wird heute einfach nicht mehr gebaut." Das
gilt auch für andere Stücke seiner Sammlung. "Die
Schönheit der Instrumente erschließt sich oft erst nach
und nach", sagt Doleviczényi. Intarsien und Perlmutt-Arbeiten
erkennt man oft erst auf den zweiten Blick.
Auch sein erstes Klavier, das er sich für 700 D-Mark als
Lehrling kaufte, hat schon bessere Zeiten gesehen. "Es fehlt
nur die Mechanik. Und natürlich die Zeit, sich ihrer anzunehmen",
sagt der Meister. "Wirklich bedauerlich."
Leidenschaft für den Jazz
Kabine 6 hieß die Formation, mit der Miklós Doleviczényi
Jahre lang Musik machte. EIne ganz besondere Art des Jazz habe er gemacht und
dabei "seinen ganz eigenen Stil entwickelt." Mitte der 70er Jahre
spielte er im "Alexander", einer Gastronomie, die sich damals an
der Rüttenscheider Straße befand. Zu diesem Zeitpunkt trat Miklós
und seine Band auch beim DAB-Wettbewerb in Dortmund an, wo sie den zweiten
Platz belegten. Neben seinem ersten Instrument, dem Klavier, spielt er auch
Gitarre, Querflöte und Klarinette.
Michael
Heiße
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